Weimar - Weimar
Weimar|Foto: Perhelion, Wikimedia Commons (Public domain)
Deutschland

Weimar

Kurzprofil & Fakten

Weimar war 1999 Europaeische Kulturhauptstadt — zehn Jahre nach der Wende ein starkes Zeichen fuer Ostdeutschland.

Status: germany

  • Titeljahr: 1999
  • Starke Verbindung von Kulturgeschichte und Gegenwart
  • Europaeische Sichtbarkeit fuer eine ostdeutsche Kulturregion

Bildhinweis

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Bericht

Weimar 1999 war eine der ambitioniertesten deutschen Kulturhauptstaedte. Die kleine thueringische Stadt mit gerade einmal 65.000 Einwohnerinnen und Einwohnern uebernahm einen Titel, der zuvor an Metropolen wie Paris, Madrid und Berlin gegangen war — und zeigte, dass kulturelle Bedeutung keine Frage der Groesse ist.

Das Programm lief unter dem Motto „Weimar — Kulturhauptstadt Europas 1999" und verband die gewaltigen kulturellen Schichten der Stadt zu einer modernen Erzaehlung: Goethe und Schiller, Bauhaus und Cranach, die Weimarer Republik und die Gedenkstaette Buchenwald. Kaum eine Stadt in Europa vereint so viel kulturelle Hochleistung und historische Katastrophe auf so engem Raum.

Ueber 300 Projekte und Veranstaltungen praegten das Jahr. Die Ausstellung „Aufstieg und Fall der Moderne" im Neuen Museum wurde zum meistdiskutierten Kunstereignis des Jahres in Deutschland. Zeitgenoessische Kuenstlerinnen und Kuenstler setzten sich mit Weimars Doppelgesicht auseinander: dem Ort der Klassik und dem Ort des Konzentrationslagers, nur acht Kilometer voneinander entfernt.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Bauhaus-Tradition. 1999 jaehrte sich die Gruendung des Bauhauses zum 80. Mal, und das Kulturjahr nutzte diesen Anlass, um Weimars Rolle als Geburtsstaette der modernen Gestaltung europaweit zu kommunizieren. Architektur, Design und Kunst verschmolzen in Ausstellungen und Workshops.

Fuer Ostdeutschland war Weimar 1999 von enormer Bedeutung. Zehn Jahre nach dem Mauerfall gab der Titel der Region internationale Sichtbarkeit und zeigte, dass der kulturelle Reichtum Thueringens einer europaeischen Buehne wuerdig war. Zahlreiche Infrastrukturprojekte — Museumsrenovierungen, der Ausbau der Anna-Amalia-Bibliothek, die Sanierung historischer Gebaeude — hatten langfristige Wirkung weit ueber das Kulturjahr hinaus.

Die Erfahrung Weimars bewies: Europaeische Kulturhauptstaedte muessen keine Grossstaedte sein. Im Gegenteil — gerade kleinere Staedte mit dichter kultureller Substanz koennen durch den Titel eine Transformation erleben, die nachhaltig wirkt.